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Bitte nicht stören. Ich reise gerade.

  • Autorenbild: Madeleine Dumhart
    Madeleine Dumhart
  • 14. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Über Reisen, Flughäfen, kleine Kokons und die Freiheit, sich selbst wichtiger zu nehmen als fremde Blicke.


Farbenfrohe feminine Collage mit Flugzeug mit Kopfhörern,  Reisepass und Flugzeug-Elementen als Symbol für entspanntes Reisen, Selbstfürsorge und den Schutz des Nervensystems.

 

Ich lebe zwischen Malta und Österreich.


Das klingt nach Leichtigkeit. Nach Meer, Bergen, Kaffee am Gate und einem Leben, das immer ein bisschen nach „Out of Office“ aussieht.

Einiges davon kann ich nicht von der Hand weisen.


Die Wahrheit ist: Wer zwischen zwei Orten lebt, reist viel.


Und wer viel reist, weiß irgendwann: Flughäfen sind keine Orte.

Flughäfen sind Geräusch-Collagen mit Sicherheitskontrolle.


Rollkoffer rattern. Menschen telefonieren, als müssten alle am Gate wissen, dass Tante Hermi den Erdäpfelsalat mitbringt.

Jemand isst ein Weckerl mit einer akustischen Entschlossenheit, die ich nicht beurteilen möchte. Und über allem schwebt diese seltsame Flughafenluft aus Kaffee, Parfum, Stress, Plastik, Deo, kein Deo und kollektiver Ungeduld.


Für manche ist das einfach Reisen.

Für mich ist es manchmal zu viel Welt auf einmal.


Darum trage ich geräuschhemmende Kopfhörer.

Nicht, weil ich arrogant bin.

Nicht, weil ich Menschen ablehne.

Nicht, weil ich so aussehen möchte, als würde ich statt nach Wien zum Nordpol aufbrechen.


Obwohl: manchmal sehe ich genau so aus. Wirklich. Fragt meinen Mann.

Der kann ein Lied davon singen.

Manchmal fehlt eigentlich nur noch ein Kompass und jemand, der „Basislager“ sagt.


Ich trage meine Kopfhörer, weil sie mir helfen, bei mir zu bleiben.

Mein Sohn trägt sie auch.

Unsere Kopfhörer sind keine Mauer.

Sie sind ein kleiner Kokon.

Zeitlich begrenzt. Praktisch. Freundlich.


Und dann ist da noch mein Seidentuch das ich um den Mund-Nasenbereich trage.

Oder meine Maske.

Nein, das hat nicht automatisch mit COVID zu tun. Ich bin schon lange vorher so gereist.

Vor zwanzig Jahren war ich eine Zeit lang chronisch krank und konnte ohne Maske kaum unterwegs sein.


Dabei ist es inzwischen keine Notwendigkeit mehr für mich. Aber ich habe mich sehr an die Vorzüge gewöhnt. Die Sache ist einfach: Ich ertrage viele Gerüche in öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht.


Busse. Flugzeuge. Straßebahn. Wartebereiche.

Diese Mischung aus fremden Jacken, Essen, Atem, Klimaanlage, Schweiß, Stress und Dingen, die man nicht genauer identifizieren möchte.


Und irgendwann habe ich aufgehört, mich dafür zu schämen.

Denn ich rieche lieber mein eigenes Parfum auf meiner Haut als den gesamten Querschnitt menschlicher Reiseentscheidungen in Reihe 14.


Mein Parfum kenne ich wenigstens persönlich.


Das mag auf andere vielleicht ein bisschen eigen wirken.

Ehrlich gesagt: Es ist mir lieber, ich wirke eigen, als dass mein komplettes System schon vor dem Boarding Urlaub braucht.


Kopfhörer.

Seidentuch.

Rückzug.


Ja.

Genau.


Das ist Rückzug.

Aber nicht aus Kälte.

Aus Klarheit.


Ich glaube, wir verwechseln Offenheit oft damit, alles auszuhalten.

Aber ich bin nicht kompliziert.

Ich kenne mich selbst nur inzwischen ziemlich gut.

Natürlich kann man darüber lachen.

Ich tue das ja auch.


Ich sehe manchmal aus, als würde ich die kleine Expedition zum Nordpol leiten, während andere nur schnell wohin fliegen.


Aber ehrlich gesagt:

Es funktioniert.


Mein Sohn ist entspannter.

Ich bin entspannter.


Die Reise wird sanfter.

Und das ist mir inzwischen wichtiger, als möglichst unkompliziert auszusehen.


Ich trage Kopfhörer.

Ich trage ein Seidentuch um mein Näschen.


Und manchmal ziehe ich mich für eine Stunde einfach ein bisschen aus der Welt zurück.


Nicht gegen die Menschen.

Sondern für mich.


Und wenn jemand das seltsam findet?

Auch gut.

Ich finde es seltsam, im Flugzeug ein Thunfischsandwich auszupacken.

Jeder hat seine Grenzen.

Meine riechen offenbar besser als manche Flugzeugkabinen.

Meine duften eben nach Parfum.


 

 

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