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Was dauert da so lang?

Autorenbild: Madeleine Dumhart
Madeleine Dumhart
18. Aug.
2 Min. Lesezeit

Oder: Das Geheimnis der blauen Plastikhäuschen


Über mobile blaue Festival-Klos, Flugzeugtoiletten und die erstaunliche Fähigkeit mancher Menschen, aus einem kurzen WC-Besuch gefühlt einen Wochenendurlaub zu machen.


Farbenfrohe humorvolle Collage mit mobilem blauem Festival-Klo, Warteschlange, Bierbänken und Festival-Stimmung als Symbol für Sommerfeste, Alltagswahnsinn und lange WC-Wartezeiten.

 

Neulich war ich auf einem großen Stadtfest.


Musik. Menschen. Plastikbecher. Sommerstimmung. Dieses spezielle Gefühl, dass man eigentlich nur kurz vorbeischauen wollte und drei Stunden später noch immer dort steht, weil man inzwischen fünf Bekannte getroffen, zwei Getränke getrunken und komplett vergessen hat, warum man ursprünglich gekommen ist.


Ich hatte sogar einen Sitzplatz auf einer Bierbank ergattert.

Eigentlich ein Grund zur Freude.


Wäre ich nicht gleichzeitig von drei Seiten zwangsbeschallt worden.


Links Musik.

Rechts Musik.

Vor mir Musik.


In mir nur Bass.

Um mit meiner Freundin zu reden, mussten wir uns praktisch anbrüllen.

Nach zehn Minuten bestand unsere Unterhaltung nur noch aus Lippenlesen, Nicken und dem Wort:

„WAS?“


Ich mag solche Feste.

Zumindest theoretisch.

Manchmal.


Was ich weniger mag:

Mobile blaue Festival-Klos.


Und Menschen, die dort offenbar eine Nebenwohnung besitzen.


Ich bin grundsätzlich ein unkomplizierter Mensch.

Auch am WC.

Rein.

Raus.

Erledigt.

Ich bin dort nicht zum Urlauben.


Offenbar sehen das andere Menschen anders.


Denn jedes Mal, wirklich jedes einzelne Mal, stehe ich vor einem blauen Plastikhäuschen oder einer Flugzeugtoilette und frage mich:

Was machen die eigentlich so lange da drinnen?


Ich rede nicht von Menschen mit echten Problemen. Nicht von Kindern. Nicht von Notfällen. Nicht von komplizierten Reißverschlüssen in emotional schwierigen Overalls.


Ich rede von ganz normalen Menschen.

Die verschwinden.

Und verschwinden.

Und weiter verschwinden.


Irgendwann beginnt man sich Sorgen zu machen.

Nicht gesundheitlich.

Zeitlich.


Ich habe in der Zeit schon die Getränkekarte studiert, drei Bekannte getroffen, mein Getränk ausgetrunken und innerlich ein kleines Gemüsebeet angelegt.


Was passiert dort drinnen?


Ein Wellnessprogramm?

Eine kleine Neuorientierung?

Ein TED-Talk?


Vielleicht planen manche dort gerade ihre Weltreise, buchen nebenbei den Flug und sortieren noch schnell die Urlaubsfotos der letzten fünf Jahre.


Ich weiß es nicht.


Ab einer gewissen Wartezeit rechne ich ehrlich gesagt mit einer Urkunde.

Nach zwanzig Minuten erwarte ich eigentlich, dass jemand mit einem Festival-T-Shirt herauskommt, auf dem steht: „I survived.“


Besonders faszinierend finde ich diese Sache mit den blauen Plastikhäuschen.

Weil das sind ja eigentlich Orte, an denen man freiwillig nur ungefähr so viel Zeit verbringt wie unbedingt notwendig.


Für mich lautet die Strategie:

Augen zu.


Atmen einstellen.


Rein.

Raus.

Fertig.


Andere scheinen dort drinnen aber offenbar Termine zu haben.


Und dann steht man da.

Mit seinem Plastikbecher in der Hand.

In einer Schlange.

Vor einem blauen Plastikhäuschen.


Das ist der Moment, in dem man plötzlich sehr viel über sich selbst lernt.


Über Geduld.

Über Akzeptanz.

Und darüber, wie wenig man eigentlich über seine Mitmenschen weiß.


Denn außen sehen wir alle gleich aus.


Aber manche Menschen brauchen für einen WC-Besuch ungefähr so lange wie ich für einen Wochenendausflug.


Vielleicht ist das auch das Schöne am Sommer.


Man trifft Menschen.

Man tanzt.

Man lacht.

Man feiert gemeinsam.


Und man erkennt, dass wir alle völlig unterschiedliche Talente haben.


Die einen können tanzen.

Die anderen können grillen.

Und wieder andere schaffen es offenbar, zwanzig Minuten in einer mobilen blauen Klo-Hölle zu verbringen, ohne dass jemand genau weiß, warum.


Ich werde dieses Geheimnis vermutlich nie lösen.

Und ehrlich gesagt:

Ich bin nicht sicher, ob ich die Antwort überhaupt wissen möchte.


 

 

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